Dämonenbraut
Proluoge, Teil 1
Die Menge drängte und rief aufgeregt durcheinander, was genau konnte man im großen allgemeinen Lärm den die Menge bei ihrem eiligen Gang durch die Innenstraßen von Lordaeron verursachten, nicht genau sagen, doch es war scheinbar von großer Bedeutung wenn ein jeder Bürger des Königspalastes und der umliegenden Gehöfte dabei sein wollte. Von „Rückkehr“ und einer „siegreichen Schlacht“ war die Rede, aber auch das waren bis vor kurzem nur Gerüchte gewesen, wie sie meist von fragwürdigen Geschichtenerzählern, oder anderem fahrenden Volk übers Land getragen wurden. Doch diesmal war etwas an den Geschichten dran und das wurde selbst von der doch eher spöttischen, Anwärterin der Kirin’tor, Nekokra nicht mehr angezweifelt.
Grund dafür war, die seltene Unruhe die alle Menschen im gesamten Lande vor wenigen Tagen ergriffen hatte. Die ersten waren sie selbst und ihre geschätzten Kollegen der Kirin’tor gewesen, denn etwas hatte die Grundfesten der Arkanenkräfte erschüttert und dass, nicht allzu unerheblich.
Überall in Dalaran, der gewaltigen Stadt der Kirin’tor, schlugen von einem Moment auf den anderen magische Beschwörungen fehl, ausgesprochene oder nur durch Geisteskraft erzeugte Zauber wandten sich gegen das falsche Ziel, oder gar ihrem Anwender; alltägliche Gegenstände aufgewertet durch Magie, wie zum Beispiel ein Besen der von selbst kehrte, schlugen wild um sich und verletzen unaufmerksame Magier. Die Dinge die dort geschahen waren so zahlreich gewesen wie es Zauber gab und es dauerte einen ganzen Tag und eine Nacht, bis alle Unfälle und missglückten Zauber einigermaßen behoben waren. Was aber genau geschehen war, wusste noch keiner genau zu sagen.
Seit diesem Vorfall waren die Gemüter in Dalaran angeheizt und reizbar. Die Stadt war im Zuge der Entwicklung einer plausiblen Erklärung für dieses Phänomen zu finden in drei verschiedene Gruppen gespalten worden.
Die alten und damit die weisesten der Magier waren der Meinung, dass es sich bei dem Vorfall um eine zwar große, aber dennoch unbedenkliche, von Zeit zu Zeit auftretende, natürliche Anomalie handele. Für die sturen und trägen Geister der alten der Kirin’tor war etwas anderes komplett undenkbar, denn so etwas war zu ihren Lebzeiten nie da gewesen und daher konnte natürlich eine solche Zerrüttelung des arkanen Gleichgewichts nicht von einer anderen Quelle als dem arkanen Strom selbst herrühren. Argumente der anderen und meist jüngeren Ordens Anhänger, die gerade auf diese Einzigartigkeit hinwiesen und damit die sture Leichtgläubigkeit ihrer Meister unter mauerten, wurden erst gar nicht für voll genommen. Das einzige was die Alten meist dazu sagten war: „Ihr seit noch Jung und versteht nichts von der Willkür der arkanen Kräfte. Die Wege des Arkanen sind nun mal unergründlich.“
Daran das es sich um einen Zufall handeln könnte, wollte die zweite Gruppe gar nicht denken. Die meist doch sehr jungen Anwärtern und Magier waren sich sicher, dass das Phänomen keines natürlichen Ursprungs war. Niemand von ihnen konnte dies auch nur Ansatzweise beweisen, jedoch war nicht das verrückt spielen aller magischen Kräfte schon Beweis genug? Sie versuchten anfangs noch die Alten und Weisen von ihrer Theorie zu überzeugen, doch das endete meist in einem Fiasko, in dessen Folge der Meister seinen Schülern Strafaufgaben aufbrummte, oder gar, bei ziemlich alten und sturen Köpfen, diese ihre eigenen Schüler des Hauses verwiesen und vom Unterricht suspendierten. Dadurch eher angestachelt als eingedämmt fingen einige Anwärtern an Freiwillig den Unterricht zu schwänzen. Dies taten sie mit der Begründung, dass man von wortwörtlichen „Altensäcken“ und Sturköpfen nichts anderes lernen könne als vor dem offensichtlichen die Augen zu verschließen und gute Theorien im Ansatz zu ersticken.
Diese beiden Gruppen waren in dieser Zeit mehr Feind als Freund.
Am kleinsten war die dritte Gruppe und wurde von den beiden anderen eher belächelt. Ihre Anhänger kauerten sich meist in dunkle Ecken und plapperten was von einer gewaltigen, alles zerstörenden Legion, und dem Untergange Dalarans. Viele der scheinbar geistig Verwirrten waren schon in der Vergangenheit eher durch ihre schrullige Art und Weise auf gefallen, kein wunder also das keiner der anderen beiden Gruppierungen sie ernst nahm.
Nekokra stimmte ihren Jungen Kollegen bei, dass etwas passiert war und dass eine unbekannte Macht für das chaotische Verhalten des Arkanen verantwortlich war. Allerdings hatte auch ihre „Rebellion“ gegen den Starsinn ihres Meisters Konsequenzen gehabt. Die Anwärterin, die sich, in Gegenwart ihres Lehrers, mit nur einem leisen Räuspern und der Andeutung, das ein Vorfall dieser Größenordnung völlig abwegig sei, zum Thema äußern wollte, durfte fünf Tagelang nicht ihr Zimmer verlassen und musste dazu noch eine Abhandlung über die Wege des Arkanen in der Sprache der Hochelfen, Thalassisch, verfassen. Nach der Verkündung dieses Urteils waren ihre Zweifel an der Zuverlässigkeit der Weisen auf ein großes Maß gestiegen, helfen konnte ihr dies allerdings nicht. Es bot ihr höchstens einen Ansporn an ihrer Theorie festzuhalten und ihre Strafe insoweit zu Boykotieren, dass sie in ihrer Abhandlung beweisen wollte das es sich nicht um eine zufällige Störung handelte.
Am nächsten Tag schon fand ihre Strafe jedoch ein abruptes Ende. Ein junger Bote, der aus dem kalten Northrend am späten Abend in Dalaran eintraf, verkündete vom Sieg Arthas, dem Sohn des Königs von Lordaeron, über die Geißel, einer gewaltigen Armee aus Untoten und Totenbeschwörern, und deren Anführer dem Schreckenslord Mal’ganis. Jubel brach unter den Gelehrten aus, sicher in Dalaran wären sie vor den feindlichen Untoten Heerscharen sicher gewesen, jedoch lag ihnen auch die Unversehrtheit des ganzen Landes am Herzen und diese war nun durch die Hand des Prinzen erneut gewährleistet worden.
Im allgemeinen Jubel merkte keiner das der Bote noch viel mehr zu sagen hatte. Mit donnernder und gleichzeitig irgendwie gespenstischer Stimme maßregelte der Bote die Anwesenden und wies sie an zu schweigen. Alle staunten nicht schlecht, das hatte sich bis jetzt noch kein Bote erlaubt. Noch nie hat ein gewöhnlicher Bote so respektlos mit den hohen Ratsmitgliedern und Anhängern der Kirin’tor gesprochen. Das merkwürdigste aber war, keiner beschwerte sich. Sie starrten alle nur mit wartenden Augen und teilweise geöffneten Mund auf den jungen Mann zwischen ihnen.
Er schien zu bemerken dass er sich etwas im Ton vergriffen hatte und begann wieder im ruhigen Ton zu sprechen, entschuldigt hatte er sich für seinen Fehlgriff dennoch nicht.
Prinz Arthas sei schon auf dem Heimweg in die Festung von Lordaeron, um seinen Vater dem König die Ehre zu erweisen und eine gerechte Belohnung für die gewonnene Schlacht zu empfangen.
Auf die Frage, wann Arthas eintreffen würde damit man die Festlichkeiten von Seiten des Ordens früh genug vorbereiten könne, antwortete der Bote nur: „Übermorgen, zur Mittagszeit wird er an den Toren der Stadt stehen.“ Dann schwang sich der junge Mann ohne ein weiteres Wort auf sein Pferd und ritt aus den Toren der Stadt, hinein in die nächtlichen tiefen des Silberwaldes.
Nekokra hatte von alle dem nichts mitbekommen, sie war an diesem Abend bereits auf ihrem Zimmer gewesen und hatte mit ihrer Abhandlung begonnen. Als die ersten Morgen strahlen durch das offene Zimmerfenster eintraten schafften sie es nicht die über Bücher und Pergamenten eingeschlafene Frau aufzuwecken. Ihr langes, rötlich schimmerndes Haar hatte sich über ihr sommersprossiges Gesicht gelegt und verwehrte jedem noch so kleinen Lichtstrahl den Eintritt in ihre Traumwelt. Allerdings verhinderten sie nicht das donnernde Aufschlagen der Kammertür durch ihre beste Freundin und Zimmergenossin Lilian.
„Aufwachen“, rief Lilian ihr direkt ins Ohr, „ich habe Aufregende und unglaublich gute Neuigkeiten für dich.“ Sie ging einen Schritt zurück und beäugte Nekokras Reaktion mit erwartungsvoller Miene. Dabei wippte sie aufgeregt auf ihren Füßen hin und her.
Langsam erhob sich der Haarbüschel vom Tisch und eine übernächtigte Stimme sprach gedämpft zu Lilian: „Du weißt schon das ich die ganze Nacht nicht geschlafen habe, oder? Wenn ja dann warte bitte mit deinen Neuigkeiten bis ich wieder aufgewacht bin. Wenn nein dann ist mir das auch egal und lass mich jetzt trotzdem in Ruhe weiterschlafen.“ Mit einem leisen dumpfen Aufschlag fiel der Kopf zurück auf den Tisch, allerdings auf dessen Kante.
Ein leises jammern und fluchen ertönte aus dem Haardschungel und verdeutlichten das Nekokra nun endgültig aus dem Schlaf gerissen worden war und versuchte die Sinne zu ordnen, um in das Reich des unschönen Wach seins ein zu kehren. Lilian hielt sich während dessen den Bauch vor lachen, was von Nekokra mit missbilligen Tönen und Verwünschungen geahndet wurde.
„Ach hab dich doch nicht so.“, beruhigte Lilian ihre Freundin, „Jetzt bist du wenigstens wach und kannst mir zuhören. Die kleine Beule wird dich schon nicht umbringen und wenn doch dann…“ Weiter kam sie nicht, denn sie musste einem auf sie zufliegendem Kissen ausweichen. Ein weiteres Geschoss kam gleich hinterher und traf sein Ziel, treffsicher im Gesicht. Nun war Nekokra diejenige die sich vor lachen krümmte, denn ihr zweites Geschoss war ein Heilsteinkissen gewesen. Sie hatte es extra nicht so fest geworfen, aber es hatte gereicht um ihrem unsensiblen Weckdienst ihrerseits eine Beule zu verpassen.
„So so“, brachte Nekokra unter ihrem klaren Gelächter hervor, „du willst dich doch nun nicht wegen einer kleinen Beule beschweren. Die wird dich schon nicht umbringen.“ Und erneut brach aus ihr ein junges klares Lachen hervor. Mit leicht verärgerter Miene rieb sich Lilian die Stelle an ihrer der Stirn, an der nun eine kleine Beule herausragte.
„Das hat wehgetan“, schimpfte sie, “außerdem bist du an deiner Beule selbst schuld. Du hättest ruhig sofort aufstehen können. Aber nein, du musst gleich deine beste Freundin verletzen, weil sie sich ein wenig an deiner Dusseligkeit amüsiert hat. Du bist mir ja eine tolle Freundin.“
Nekokra stand nach diesen Worten auf, streichelte leicht, über die Beule ihrer Freundin und gab einen flüchtigen Kuss drauf.
„Du weißt genau, dass ich dich nicht mit Vorsatz verletzen wollte. Das könnt ich auch gar nicht dafür hab ich dich einfach zu gern.“, bei diesen Worten Umarmte sie Lilian schwesterlich und drückte sie fest an sich. „Und nun lass uns bitte nicht mehr streiten. Erzähl mir lieber was du so für erschütternde Neuigkeiten hast, die es rechtfertigen mich nach einer Nacht voller trockener Wälzer und Pergamenten wach zu machen.“ Mit diesen Worten löste Nekokra die Umarmung und macht wie Lilian zuvor einen Schritt zurück um sie besser zu betrachten zu können.
Lilian war mit einer Körpergröße von ein Meter dreiundsechzig, nur ein wenig kleiner als Nekokra. Ihr schulterlanges lockiges Haar hatte sie heute zu einem Zopf gebunden. Sie war von normaler Statur, hatte aber auch das ein oder andere Pfund zuviel auf den Hüften, worüber sie sich oftmals beschwerte und mit großen Worten versprach etwas dagegen zu tun. Ihre versprechen in dieser Richtung endeten aber meist damit das sie Schokolade essend in ihrer Kammer saß und über ihre schlechte Willensstärke jammerte. Das einzige worüber sie sich nicht beschwerte war ihr üppiges Dekoltee. Sie hatte immer eine helle Freude daran, wenn sie wieder einmal vom Unterricht suspendiert wurde weil ihr Ausschnitt zu weit und ihr männlichen Kollegen dadurch zu sehr abgelenkt wurden. Nur vor ihrer Freundin prahlte sich nicht allzu gerne damit. Sie wusste dass Nekokra in dieser Hinsicht etwas reizbar war. Nicht das sie wenig Brust hatte, aber es war nun mal weniger als die meisten anderen Frauen hatten und das machte der jungen Frau schon irgendwie zu schaffen. Dafür hatte Nekokra eine überdurchschnittlich gute schlanke Figur. Nicht abgemagert, aber dennoch kein Gramm zuviel. Die beiden gleichten sich also was ihr Aussehen anging aus und waren sich auch ansonsten sehr ähnlich. Wer die beiden noch nicht kannte hielt sie meist für Geschwister, was sie gewisser maßen, im Geiste, auch waren.
„Trotzdem rechtfertigt das nicht das du mich mit steinharten Kissen bewirfst.“, warf Lilian noch mal als Ermahnung ein.
„Aber du hast recht, streiten wir uns nicht. Bekommst schon noch dein Fett weg.“ Sie setzte ein fieses Grinsen auf, welches von Nekokra mit einem ängstlichen Nicken erwidert wurde. „Also wo fang ich am besten an. Erstmal eine gute Nachricht deine Strafe betreffend. Diese ist soweit erstmal außer Kraft gesetzt worden, Herzlichen Glückwunsch dazu meine Liebe, dazu kommt, dass wir beide, als beste unserer magischen Schulen mit nach Lordaeron dürfen.“ An dieser Stelle wurde Lilian, die aufgeregt hin und her lief während sie von den Neuigkeiten berichtete, unterbrochen.
„Warte mal kurz.“, wand Nekokra ein, „Du sagst wir dürfen nach Lordaeron? Aber warum das? Ich weiß nichts von einem Ausflug und während der Woche ist der Ausgang doch strengstens verboten und wieso…“ Ein Finger legte sich auf ihre Lippen und gab ihr zu verstehen, dass sie ruhig sein sollte.
„Nicht so hastig die Dame. Ich bin ja noch gar nicht fertig, das Beste kommt ja noch. Arthas,
unser Prinz, Sohn unseres Königs, zukünftiger Thronerbe von…“ „Ich weiß was ein Prinz ist und vor allem weiß ich wer Arthas ist.“, mischte sich Nekokra leicht entnervt in die ziemlich ausführliche Betitelung des Prinzen durch Lilian ein. „Komm endlich raus mit der Sprache.“
„Sind wir heute wieder Humorlos“, zischte Lilian zurück, “aber schön wie du willst. Der Prinz kehrt von seiner siegreichen Schlacht in Northrend Heim. Mal’Ganis wurde bezwungen und die Untote Geißel damit vernichtet. Er wird Morgen Mittag an den Toren von Lordaeron stehen. Na ist das was?“
Ja das war wirklich eine große Neuigkeit. Nekokra war völlig baff und stand einige Sekunden regungslos vor ihrer besten Freundin und machte gar nichts vor erstaunen. Sie sagte nichts, sie bewegte sich nicht, sie atmete nicht einmal. Plötzlich wie aus einer Trance erwachend rührte sich Nekokra wieder, bewegte ihre Lippen und rief ganz plötzlich: „Ist nicht wahr oder?“ Zu mehr war sie einfach noch nicht imstande.
„Doch, doch wenn ich es dir doch sage. Arthas war siegreich und kehrt nun zurück zu seinem Vater. Ich bin mir dabei sogar ganz sicher das dein kleiner Liebhaber mit ihm zurück kommt, um dich dann am Abend für dein sehnliches Warten zu entlohnen.“ Bei dem letzen Teil ihres Satzes, verdeutlichte Lilian noch einmal mit ihren Händen und einer obszönen Geste was sie damit genau sagen wollte.
Nekokra errötete dabei mehr als sichtlich und schlug Lilians Hände auseinander.
„Also… das… also… nein. Devon ist nicht mein Liebhaber, wir lieben uns ja aber so was machen wir nicht. Er hat anstand und wartet wie ich auf den richtigen Moment und außerdem wie redest du eigentlich von deinem Bruder? Wenn er wüsste was du von ihm denkst würde er dir ordentlich den Hintern versohlen. So sollte keine Schwester von ihrem Bruder und ihrer besten Freundin denken.“ Sie wand sich von Lilian ab und tat so als wenn sie sich für das verhalten ihrer Freundin schämen würde. In Wirklichkeit aber versuchte sie damit jedeglich ihre eigene Scham vor sich selbst zu verbergen, weil sie schon an so manchen einsamen Nächten, von der eben nur angedeuteten intimen Zweisamkeit mit ihrem geliebten geträumt hatte. Wie aber so oft schien Lilian auch dieses Manöver ihrer Freundin zu durchschauen.
„Jetzt tu nicht so als seiest du ein Unschuldslämmlein. Ich kenn dich teilweise besser als du dich selbst, hör also auf mir und vor allem dir etwas vorzumachen. Ist doch auch nichts Schlimmes dran. Mein großer Bruder ist halt schon eine echt gute Partie, groß durchtrainiert und romantisch nachdem was man so von dir hört, kann dir also keiner verübeln das du hin und wieder dran denkst. Ach und falls du dich fragst woher ich das weiß, ich sag nur: Du sprichst im Schlaf. Du verstehst?“ In diesem Moment sprang Nekokra mit zwei großen Sätzen auf ihr Bett und vergrub ihr vor Scham auf Tomatenrot angelaufenes Gesicht im Kissen. Das war eindeutig zuviel gewesen und das erkannte auch Lilian. Sie sagte nichts mehr zu dem Thema und wartet einfach darauf das Nekokra sich wieder beruhigen würde.
Nach wenigen Minuten der Stille war es die von Schamesröte gezeichnete Anwärterin die das Schweigen brach.
„Rede ich wirklich im Schlaf?“, fragte sie in einem leisen Ton.
„Ja, das tust du allerdings. Nicht sehr oft, aber dafür dann auch richtig laut.“, beantwortete Lilian prompt ihre Frage, „Mach dir aber keine Sorgen, ich weiß davon als einzigste. Am ersten Abend wo wir beide in diese Kammer gezogen sind dachte ich du hättest nicht mehr alle, als du plötzlich Lieder trällernd in deinem Bett lagst und von grünen Wiesen und Wäldern erzähltest. Wo ich dann aber merkte das du im schlaf sprichst, habe ich als aller erstes den Raum schalldicht gemacht. Konnte ja nicht zulassen das du dich hier vor allen anderen zum Affen machst.“ Bei den letzten Worten zwinkerte sie aufmunternd ihre Freundin an und setzte sich zu ihr ins Bett.
„Wieso hast du mir nicht schon früher von meinem Problem erzählt? Wir wohnen hier schon so lange, du hättest wenigstens was sagen können.“ An Nekokras Stimmlage war eindeutig zu erkennen dass sie von ihrer besten Freundin ein wenig enttäuscht war. So etwas Wichtiges hätte man ihr nicht vorenthalten dürfen, vor allem Lilian hätte das nicht tun sollen. Welche ihrer Geheimnisse kannte sie noch?
Lilian legte ihre Hand auf die von Nekokra und entschuldigte sich reumütig:
„Es tut mir Leid, das ich es dir nicht schon viel früher gesagt habe, aber ich hatte Angst du wechselst dann wieder auf dein altes Einzelzimmer. Ich war so froh das wir endlich auf ein gemeinsames Zimmer ziehen durften und da wollte ich nicht riskieren das du schon am ersten richtigen Gemeinsamen Tag wieder ausziehst, oder gar nicht mehr mit mir sprichst.“ Kleine Tränen traten ihr aus den Augen, die aber von Nekokra sofort weggewischt wurden.
„Wein doch jetzt nicht. Ist doch alles nur halb so schlimm. Wie kannst du nur glauben dass ich wegen so was wieder auf mein Einzelzimmer gehe. Gerade da wo doch Meister Arugal in das Nebenzimmer gezogen war. Du kennst ja die Geschichten die man über seine nahezu Legendären Schnarchattacken erzählt. Ganze Korridore soll er schon um den Schlaf gebracht haben.“ Beide fingen an lauthals los zu lachen und nahmen sich in die Arme. Der Frieden zwischen den beiden war wieder hergestellt gewesen.
Nachdem die zehnminütigen Lachattacke der beiden unter keuchen und Luftschnappen ein Ende gefunden hatte, machten sich die Freundinnen dran ihre knittrige Roben für die bevorstehende Sonderversammlung der Kirin’tor wieder Glatt zu streichen und ein wenig Ordnung in ihre leicht zerzausten Haare zu bringen. Mit ordentlicher Erscheinung und leichter Verspätung hatten sie dann auch ein wenig später die Versammlungshalle erreicht.
Die Versammlungshalle war ein rechteckiger circa dreißig mal dreißig Meter großer Saal in dem normalerweise die sechs Ratsmitglieder, einige der höheren Kirin’tor und der Anführer des Ordens, Antonidas, ihr weiteres vorgehen besprachen. Sie war immer prunkvoll eingerichtet und geschmückt. An den Wänden hingen drei gabelige Kerzenhalter, edle Seidenstofftücher mit dem Wappen der Kirin’tor verziert und goldenen Schmuckstücke in allen Variationen. Ein sanfter Violettton erfüllte die Halle und an ihrem Ende stand ein reich verzierter großer Holztisch, an dem sich, eben so kunstvolle, sieben Stühle befanden.
In der Mitte auf dem größten und wohl prunkvollsten Stuhl saß Antonidas selbst. Zu seiner rechten und seiner linken hatten die sechs Ratsmitglieder der Kirin’tor platz genommen. Sie schwiegen während die anderen Anwesenden aufgeregt miteinander diskutierten und spekulierten. Die letzten Tage und die damit verbundenen Streitigkeiten schienen vergessen. Doch in diesem Wirrwarr aus Stimmen erhob sich, mit dem eintreffen der letzten Kirin’tor, die tiefe Stimme des Großmeisters Antonidas.
„Ruhe bitte, ich bitte um Ruhe meine geschätzten Kollegen und Kolleginnen. Ich weiß die Ereignisse dieser Woche sind mehr als ungewöhnlich und alle mal eine große Diskussion wert, jedoch nicht heute.“ Als die Stimme verklang war es ruhig im Saal geworden, mit gebannten Blicken war die Aufmerksamkeit aller auf Antonidas gerichtet.
„So ist es schon besser.“ Ein lächeln erschien auf dem Gesicht des Meisters und seine sanfte Stimme fuhr fort: „Wie ihr alle, oder zumindest die meisten von euch erfahren haben, hat Arthas Menethil seine Armee erfolgreich gegen das Untote Heer führen und in einem letzen Feldzug den Schreckenslord Mal’Ganis niederstrecken können. Hinzu kommt das er Morgen Mittag bereits wieder die Tore Lordaerons erreichen wird. Dieser Moment wird sicherlich ein feierlicher sein, jedoch wird es auch viele Fragen zu der entscheidenden Schlacht und den Tagen in den eisigen Einöden von Northrend geben. Der Rat der Kirin’tor und ich haben beschlossen die Feierlichkeiten zu organisieren aber auch die Sicherheit innerhalb der Stadt zu gewährleisten. Dies ist das mindeste was wir tun können, nachdem uns Meister Kel’thuzad so schwer verraten und die Untote Geißel als solche überhaupt ins leben gerufen hat.“ Nun war es endgültig still. Mit betroffenem Blick schauten alle zu Boden.
Viele Wochen zuvor hatten sie schon davon gehört das einer ihrer ehemaligen Meister, Kel’thuzad, sie verraten hatte und die Seuche erschuf die viele tausende in Untote verwandelte. Kel’thuzad der zum Mahnmal für alle Magier wurde, die sich nach mehr Macht sehnten, wurde von Arthas erschlagen und vergraben. Sein Name ist trotz seines Todes immer noch in aller Munde und ein großes Beispiel dafür, dass der Magierorden eben nicht alles unter Kontrolle hat wie er es sich denn wünscht. Für die die Kel’thuzad noch als ihren Meister und geschätzten Kollegen kannten, aber war neben der Wut auch eine große Trauer um ihn entstanden. Niemand hätte sich denken können, dass er zu so was fähig ist, wie sehr sie sich doch getäuscht hatten. Wieder war es Antonidas der die Stille brach.
„Wie auch ihr trauere ich um seine Seele, aber das ändert nichts daran, dass unser Orden in einem schlechten Licht steht. Deshalb entsende ich drei unserer Meister und ihre besten Schüler nach Lordaeron um unsere Demut und unsere Hochachtung zu verkünden. Folgende drei habe ich mit Einverständnis des Rates ausgewählt: Korrigan, Meister der Arkanen-Schule und seine Schülerin Nekokra; Sathera, Meisterin der Schule des Eises und der Kälte und ihre Schülerin Lilian; sowie Rhonin, Meister aller Schulen. Ihr und eure Schüler werdet euch sofort für eure Reise vorbereiten und heute zur Mittags-Stunde aufbrechen. Denkt, aber bitte dran, ihr repräsentiert unseren Orden und unsere Werte. Wenn wir beweisen wollen das niemals wieder einer der unseren den Pfad den Kel’thuzad folgte erneut bestreiten will, so müssen wir uns von der besten Seite zeigen. Sollte einer von euch diesem Willen nicht entgegenkommen und unseren Ruf noch mehr schwächen, so wird dieser jemand mit schweren Konsequenzen rechnen müssen. Doch nun genug der Worte, die Versammlung ist beendet, ihr könnt gehen.
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Seht das als Versuch eine jahre lange Schreibblockade zu durchbrechen an.
Würde mich über Kommentare freuen, wenn sich das denn eienr durch lesen mag überhaupt.
Eure Neko